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David Westphal bespricht »Erzählung von den Konsumgütern« von Zhen Xiaoqiong

  • ursengeler
  • vor 4 Stunden
  • 1 Min. Lesezeit

"Xiaoqiongs Gedichte lassen sich zweifellos kapitalismuskritisch lesen. Hie und da verlassen sie auch das partikulare Arbeiterinnen-Dasein und blicken auf jene globalen Märkte, für die sich verausgabt wird. Die Lyrik-Bewegung der Wanderarbeiter_innen wird viel rezipiert, auch in China; es gibt ein Museum, Veranstaltungen, Editionen und mehr. Was Sinn ergeben würde, versteht sich die Volksrepublik China doch als kommunistisch geprägtes Land und damit: proletarisch. Es gibt eine proletarische Schreibtradition in China. Doch so einfach ist es nicht. Der sozialistische Realismus Chinas verherrlicht und letztlich: verstellt den Blick auf die tatsächliche Situation der Arbeiterschaft. Dadurch bewegt sich die Wanderarbeiter_innen-Lyrik durchaus in einem politischen Spannungsfeld und diagonal durch den geradlinigen Raum des sozialistischen Realismus hindurch. Vielleicht ist das ein Grund, warum Wut, Hass und Verfluchungen eigentlich keine Rolle spielen. Die Wurzel des Leids bleibt unangetastet, es ist keine radikale oder revolutionäre Lyrik. Aber Zeile um Zeile so wahrhaftig und nicht ohne Agenda: das Geheime öffentlich machen und den Anonymen ein Gesicht geben."




 
 
 

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